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In the movies: August: Osage County

18 Mar

Im August in Osage County: Die Geschichte einer schrecklich anstrengenden Familie.

Kinotickets, Kino, cinemaDie Spirale der Gewalt. Wer glaubt, dass nur der Hang zu körperlicher Gewalt von Generation zu Generation weitergegeben wird, der irrt. Nein, es gibt da auch diese zersetzende Bosheit und Bitterkeit, die gerade Frauen oft so gut beherrschen. Violet Weston (Meryl Streep) und ihre Schwester Mattie Fae (Margo Martindale) mussten in ihrer Kindheit viele Enttäuschungen einstecken … Das hält sie allerdings nicht davon ab, ähnlich unbarmherzig zu ihren eigenen Kindern zu sein. Als Violets Mann stirbt, kommen ihre drei Töchter nach Hause: die empfindsame Ivy (Julianne Nicholson), die kokette Karen (Juliette Lewis) und Vaters Liebling Barbara (Julia Roberts). Wieviel haben sie von ihrer Mutter gelernt oder waren sie in der Lage, sich von der Bitterkeit zu lösen? Über allem steht die (selbst)gerechte Barbara – von ihrem Mann (Ewan McGregor) verlassen, mit der eigenen Tochter (Abigail Breslin) überfordert und ohne die nötige Selbstreflexion, zu erkennen, dass sie zu dem wird, was sie an ihrer Mutter hasst. Sicherlich könnten die Männer hier die nötige Kritik geben, doch die flüchten sich lieber in Drogen und Affären anstatt sich ihren überdominanten Frauen entgegenzustellen.
Schließlich sind es die vermeintlich Schwachen, die als einzige den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen vermögen.

Mir hat Im August in Osage County vor allem wegen dieser vielschichtigen Eltern-Kind-Psychologie sehr gefallen. Allerdings finde ich, dass sie dabei etwas zu groß aufgefahren haben, was die Geschichte gar nicht unbedingt nötig hätte. Die tablettenabhängige Violet ist zwar ein faszinierender Charakter, von Meryl Streep exzellent gespielt (hätte jemand etwas anderes erwartet?), allerdings rückt die Drogensucht die Familie in ein gewisses Milieu. Dabei ist gerade diese Form der Dominanz und Bosheit von sozialen Schichten unabhängig und hätte auch ohne das zusätzliche Reizthema funktioniert. Des weiteren wäre es schön gewesen, wenn sich nicht alle permanent anschreien würden …

Das habe ich gelernt: Es ist durchaus hilfreich, das eigene Handeln mal zu überdenken. Und: Benedict Cumberbatch ist eindeutig nicht nur Sherlock. ❤

August: Osage County: The story of a terribly exhausting family.
The vicious circle of violence. Who thinks that only a strong leaning towards physical violance goes from generation to generation, is wrong. No, there is also this destroying malice and bitterness, which especially women are often so good at. Violet Weston (Meryl Streep) and her sister Mattie Fae (Margo Martindale) had to learn a lot of disappointments in their childhood … still that doesn’t keep them from being likely mean to their own children. When Violet’s husband dies, her three daughters come home: sensitive Ivy (Julianne Nicholson), kittenish Karen (Juliette Lewis) and daddy’s girl Barbara (Julia Roberts). How much did they learn from their mother or have they been able to detach themselves from the bitterness? In the center is self-righteous Barbara – dumped by her husband (Ewan McGregor), overextended by her own daughter (Abigail Breslin) and without the necessary sense of self to realize that she becomes to everything she hates about her mother. Surely the men could give the necessary critic but those rather hide in drugs and affairs instead of making a stand against their over-dominant wives.
Finally it’s the assumed weak who are the only ones who can break the vicious circle of violence.
I liked August: Osage County most of all because of the complex parent-child psychology. But I think that they overdid it a little, what the story didn’t really need. Addicted to pills Violet was indeed a fascinating character, excellently played by Meryl Streep (who expected something else?) but her addiction puts the family in a special milieu. But this kind of domination and malice is independent from social stratum and would have worked without this controversial issue. Further I would have prefered if all the people woudn’t shout at each other all the time …
What did I learn? It’s indeed helpful to reconsider your own actions once in a while. And: Benedict Cumberbatch is for sure more than Sherlock. ❤

In the movies: Philomena

5 Mar

Manchmal gucke ich Kinofilme, ohne irgendwas über sie zu wissen. Gestern war so ein Tag.

Philomena (Judi Dench) ist eine nette alte Omi, die gerne billige Liebesromane liest und sich über ein üppiges Frühstück freut. Und doch hat sie ein dunkles Geheimnis. Sie ist eine Sünderin, eine Schande vor Gott. Als junges Mädchen hat Philomena sich auf einem Jahrmarkt verführen lassen. Zur Strafe wurde das schwangere Mädchen in ein Kloster gesperrt … Und das Kind wurde ihr weggenommen.
Fünfzig Jahre später trifft die alte Frau auf den Journalisten Martin Sixsmith (Steve Coogan, der außerdem am Drehbuch und an der Produktion beteiligt war), den ein Polit-Skandal vor kurzem den Job gekostet hat. Kann Martin Philomena helfen, ihren Sohn zu finden und sich selbst damit rehabilitieren? Eine Reise in die Untiefen von Sünde und Lüge beginnt …

Eine wahre Geschichte über grausame Nonnen, die Mutter und Kind auseinanderreißen, ist ziemlich harter Stoff. Trotzdem schafft Stephen Frears (The Queen) es, dem Film eine amüsante Note zu verpassen, ohne den Respekt vor Philomena und ihrem Leid zu verlieren. Ehre gebührt dabei vor allem Judi Dench. Die ist 79 Jahre alt und halb blind. Das hält sie nicht davon ab, beruflich immer noch alle in die Tasche zu stecken. Ihre Philomena ist süß, ein bisschen naiv und zuweilen auch anstrengend, wie alte Leute eben sein können. Doch obwohl sie nicht immer den Überblick behält, bewahrt sie doch eine beneidenswert Autarkie und Stärke, von der man sich eine Scheibe abschneiden kann. Überrascht hat Judi Dench mich damit nicht. Ich habe nichts anderes von ihr erwartet.
Positiv beeindruckt bin ich hingegen von Steve Coogan, der mir erst letztes Jahr in Das Glück der großen Dinge aufgefallen und wegen seines lustigen Gesichts in Erinnerung geblieben war (ich mag Menschen mit lustigen Gesichtern). Coogan ist eigentlich eher als Comedian bekannt, kann Dench in diesem Duett aber durchaus standhalten. Hut ab.

Was habe ich gelernt? Wut ist auch keine Lösung.

Sometimes I watch movies in theatre I know nothing about. Yesterday was such a day.
Philomena (Judi Dench) is a nice old granny, who likes to read cheesy love novels and is happy about a nice breakfast. And still she has a dark secret. She’s a sinner, a shame in God’s eyes. As a young woman she was seduced on a fair. As punishment the pregnant girl was locked in an abbey … and the child was taken from her.
Fifty years later the old woman meets journalist Martin Sixsmith (Steve Coogan, who also wrote the screenplay and produced the movie), who lost his job after a political scandal. Can Martin help Philomena to find her son and get back to work by that? A journey through sin and lies begins …
A true story about cruel nons who seperate mother and child is a pretty tough plot. Still Stephen Frears (The Queen) manages to give the movie an amusing tone without losing the respect for Philomena and her suffering. This is most of all because of Judi Dench. Who is 79 years old and half blind. That doesn’t stop her from to run rings round all the other people. Her Philomena is cute, a little naive and also a bit exhausting like old people sometimes tend to be. But though she doesn’t keep track of everything, she still keeps a self-reliance and strength you can take as a model. Judi Dench didn’t surprise me with that. I didn’t expect anything else from her.
But I was positively impressed by Steve Coogan who caught my eye for the first time in What Maisie knew last year when I treasured his funny face (I like people with funny faces). Coogan was known as a comedian before but I think that he can bear the comparison with Dench in this duet. Hands down.
What did I learn? Rage is no solution.

In the movies: The World’s End

19 Sep
(Scroll down for English version)

Wenn ich denke, dass ein Film nicht gut für meine armen Nerven ist, dann gucke ich ihn auch nicht. Das war meistens eine gute Entscheidung. Dummerweise habe ich so aber auch Shaun of the Dead verpasst.

Der Fehler wurde in dem Moment deutlich, als Simon Pegg als Montgomery Scott im 2009er Star Trek auftauchte und ich dachte: “Fuck, wer ist der Typ?” Seither habe ich versucht, meine Versäumnisse nachzuholen und so natürlich auch die ersten zwei Teile der “Blut und Eiscreme”- oder auch Cornetto-Trilogie gesehen. Und dabei festgestellt, dass Hot Fuzz der wahrscheinlich witzigste Film aller Zeiten ist.
Nun also endlich Teil 3 (wobei “endlich” relativ ist, wenn man erst dieses Jahr mit Teil 1 und Teil 2 angefangen hat) im Kino: The World’s End. Wieder nach dem Drehbuch von Simon Pegg und Edgar Wright. Wieder mit Edgar Wright auf dem Regiestuhl. Wieder mit Simon Pegg und Nick Frost in den Hauptrollen.
Fünf Freunde, zwölf Pubs: Gary King (Simon Pegg) ist eine abgefuckter Typ. Er war mal cool, ein Anführer, glücklich, aber jetzt ist er einfach nur noch ein Wrack, das im Jahre 1990 steckengeblieben ist. Dahin will er zurück. Mit seinen ehemaligen (!) Kumpels (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine) will er endlich die größte Sauftour aller Zeiten abschließen. Dummerweise stellen sie dabei fest, dass ihr Heimatort nicht nur “gestarbucked” wurde, nein, die Bevölkerung wurde auch nach einer außerirdischen Invasion durch Roboter ersetzt. Und die reagieren ziemlich ungemütlich auf Störungen in ihrer Harmonie …
Ein bisschen Apokalypse, ein wenig Stepford Wives, ganz viel Wright-Pegg. Während Shaun of the Dead und Hot Fuzz noch das Horrorfilm- bzw. Action-Genre persiflieren, zitieren sich Edgar Wright und Simon Pegg mit The World’s End vor allem selbst. Das ist unterhaltend (wenn auch weniger lustig als Hot Fuzz), geht aber dennoch über stumpfe Berieselung deutlich hinaus. The World’s End ist ein Film über – natürlich – Freundschaft, aber auch den Hang der Menschheit zur Technisierung und Vernetzung (ein Thema, das gerade aktueller denn je ist) und die  Frage, ob es gesund ist, seine Jugend hinter sich zu lassen. Dabei ist Martin Freemans Charakter Oliver praktisch schon von Beginn an einer von denen, während Eddie Marsans Peter besser versuchen sollte, mit seiner Vergangenheit zu leben, anstatt mit ihr abzuschließen.
Ich muss ehrlich sein: In der ersten Viertelstunde fand ich Gary King unglaublich anstrengend (was auch an einem langen Arbeitstag plus Sport gelegen haben könnte). Doch mit steigender Gefahr und Alkoholgehalt der Figuren wurde The World’s End zunehmend entspannter, witziger und tiefgründiger. Und am Ende mochte man sogar Gary King … ein bisschen … na gut, sehr. (Aber was soll ich sagen? Ich stehe auf Simon Pegg, der Mann ist einfach großartig.)

When I think that a movie will do my poor nerves no good, I don’t watch it. Most of the times it’s a good decision. But stupidly I missed Shaun of the Dead because of that.

I realized my fault in that moment when Simon Pegg appeared as Montgomery Scott in 2009s Star Trek and I thought: “Fuck! Who is that guy?” Since then I tried to catch up with my failure and of course I watched the first two parts of the “blood and ice-cream”- or Cornetto triology. And I decided that Hot Fuzz must be the funniest film of all times.
So now finally part 3 (whereas “finally” is quite relative when you only watched part 1 and 2 this year) is in the movies: The World’s End. Again after the script of Edgar Wright and Simon Pegg. Again directey by Edgar Wright. Again with Simon Pegg and Nick Frost in the main roles.
Five friends, twelve pubs: Gary King (Simon Pegg) is a fucked up guy. He was cool once, a leader, happy, but today is only a wreck, that’s stuck in the year of 1990. And he wants to go back to then. He finally wants to complete the biggest booze tour of all times with his former (!) buddies (Nick Frost, Martin Freeman, Eddie Marsan, Paddy Considine). Unfortunately they become aware that their old home town is not only “starbucked”, no, the inhabitants also have been replaced by robots after an alien invasion. And those tend to get nasty if you disturb their harmony …
A little bit apocalypse, a little bit Stepford Wives, a hell lot of Wright-Pegg. While Shaun of the Dead and Hot Fuzz satirized the horror movie and action genre, they mainly quote themselves with The World’s End. That’s entertaining (eventhough it’s less funny than Hot Fuzz), but still much more than stupifiying amusement. The World’s End is a movie about – of course – friendship, but also about human’s liability to mechanization and internetting (especially today a current subject) and the question if it’s healthy to leave your boyhood behind. Martin Freeman’s characters Oliver is nearly from beginning on one of them, while Eddie Marsan’s Peter should try to live with his past instead of getting over it.
Honestly said, the first quarter of an hour I thought that Gary King is incredibly exhausting (also caused by a long work day plus sports). But with increasing danger and drunkenness of the characters, The World’s End got more chilled, funnier and deeper. And in the end I even liked Gary King … a little … okay, very. (But what can I say? I fancy Simon Pegg, that guy is simply gorgeous!)

Love, Larissa